Deprimiert? Bewegen statt kuscheln!

Jedes Wellnesshotel lockt sie mit bunten Bildern von Whirlpools, Bädern mit Duft-, Licht- und Blütenzauber, Massagen, Güssen und rundum Wohlfühl-Paketen, die Erschöpften, Ausgebrannten und Depressiven, von denen es leider nur zu viele gibt. Auch wenn sie sich nach nichts mehr sehnen, als nach Ruhe, Erholung und sich endlich wieder wohl zu fühlen in der eigenen Haut – einfach nur zu relaxen bringt wenig. Denn das was den Menschen im Burnout, der modernen Bezeichnung für Erschöpfungszustand, quält, sind seine Gedanken und Stimmungen. Innere Leere und das Gefühl wertlos zu sein, nachdenken über schlechte Aussichten, gespannte Unruhe mit Ein- oder Durchschlafstörungen, Mutlosigkeit und der Verlust an Lebensfreude lassen ihn sich immer mehr in sich zurückziehen. Im warmen Wasser liegen, sich auf sich selbst konzentrieren, Ruhe und Zeit haben – die Gefahr, dass sich das Grübeln und Kreisen um den eigenen schlechten Zustand verstärkt, ist nur größer. Etwas anderes muss also her.

Bereits seit 1999 gibt es vom Deutschen Sportärztebund „Richtlinien zur Bewegungs- und Sporttherapie bei depressiven Erkrankungen“. Was aber nicht heißt, dass man erst abwarten sollte, bis sich aus einem Erschöpfungszustand eine handfeste Depression entwickelt hat!
Besser, sofort mit dem Sport zu beginnen. Vor allem Ausdauersportarten wie flotte Spaziergänge, Walken, Joggen, Schwimmen, Rad fahren, Tanzen oder Aerobic haben sich bewährt. Sie regen den Stoffwechsel an und dabei werden im Gehirn Botenstoffe gebildet, die die Stimmung stabilisieren und das Wohlfühlen überhaupt erst möglich machen: Serotonin, Adrenalin und Endorphine, die bekannten „Glückshormone“. Dass diese sogar Schmerzen lindern, ist mittlerweile erwiesen. Ein Grund mehr, sich regelmäßig zum Training aufzuraffen. Denn häufig gehen Depression mit Schmerzen (Rücken, Darm, Kopf, Muskeln und Gelenke) einher.

Wer sich bewegt, kommt automatisch aus der passiven Opferhaltung („Da kann man ja doch nichts machen!“) heraus in die Aktivität, die alle Sinne anregt und die Seele erhebt. Man fühlt sich leicht statt schwer, pulsierend durchblutet, lebendig und kräftig satt abgestorben und wertlos. Jeder Trainingsfortschritt powert das angeschlagene Selbstwertgefühl. „Ich kann!“ zeigt jeder zurückgelegte Kilometer statt „Ich bringe nichts mehr“. Und die Dosierung? Mindestens drei Mal pro Woche 45 bis 60 Minuten. Ohne außer Atem zu kommen.